Schirmherr Dr. Eckart von Hirschhausen

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

als Arzt, Mitglied von Scientists for Future und Unterstützer der Allianz Klimawandel und Gesundheit freue ich mich, das Projekt KLIK green - Krankenhaus triff Klimaschutz als Schirmherr zu begleiten.

Spätestens seit den letzten beiden Hitzesommern ist jedem in Deutschland klar: Die Klimakrise betrifft nicht nur Eisbären und ferne Küstenregionen – sie betrifft uns hier und heute und erst recht in Zukunft. Es ist die Aufgabe von Ärzten und allen anderen Gesundheitsberufen, das Leben zu schützen und auf Gefahren hinzuweisen. Und leider gibt es gegen hohe Temperaturen, gegen verdreckte Luft und gegen die Zunahme von Allergien und Infektionskrankheiten kein Wundermittel, keine Operation und kein Versteck. Deshalb ist es höchste Zeit, darauf hinzuweisen: Gesunde Menschen gibt es nur auf einem gesunden Planeten. Und Klimaschutz ist Gesundheitsschutz. Dafür bin ich gerne an Ihrer Seite.

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Klinikbeschäftigte bekommen die Auswirkungen des Klimawandels auf die menschliche Gesundheit alltäglich zu spüren. Trotzdem werden sie in der öffentlichen Debatte erst seit Kurzem sichtbarer. Immer mehr Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte werden sich der wissenschaftlichen Erkenntnisse bewusst, die der Weltärztetag bereits vor Jahren offiziell bestätigt hat: Dass die Klimakrise die größte Bedrohung unserer Gesundheit im 21. Jahrhundert ist. Deshalb positionieren wir uns als Gesundheitsberufe: Auf dem Ärztetag, dem Deutschen Pflegetag, und bei vielen weiteren Gelegenheiten – und wir müssen noch viel lauter werden! Oft wird so getan, als wäre die Automobilbranche der wichtigste Arbeitgeber in diesem Land. Unsinn – es arbeiten viel mehr Menschen in Gesundheitsberufen. 4,5 Millionen Menschen sind es derzeit, die sich jeden Tag um andere kümmern und die in der Mitte der Gesellschaft wirken und gehört werden.

Es ist höchste Zeit. Viele politische Entscheidungen betreffen das Klima und Kliniken gleichermaßen. Beispiel Mobilität: Ungebremstes Rasen erhöht den CO2-Ausstoß ebenso wie die Unfallzahlen – und Klinikbeschäftigte kämpfen täglich um das Leben von Unfallopfern und gegen Erkrankungen durch Luftverschmutzung. Eine sinnvolle Klimapolitik schützt unsere Gesundheit heute, und die der kommenden Generationen. Und sorgt dafür, dass nicht der Verzicht, sondern der Gewinn an Lebensqualität im Mittelpunkt steht. Ich atme immer noch lieber die Abgase von zehn Radfahrern ein, als von einem SUV.

Die Gesundheitsbranche ist jedoch nicht nur Anwalt heutiger und zukünftiger Patienten. Sie ist auch Mitverursacher des Klimawandels. Laut einer Veröffentlichung der internationalen NGO „Health Care Without Harm“ vom September 2019 ist der weltweite Gesundheitssektor für mehr Treibhausgas-Emissionen verantwortlich als der Flugverkehr. Rund fünf Prozent der CO2 – Emissionen in Europa gehen auf das Konto des Gesundheitswesens. Mit dem Projekt KLIK green helfen Sie dabei, den eigenen Fußabdruck zu verringern. Ökologie und Wirtschaft sollten in Kliniken nicht mehr als Gegensatz betrachtet werden. Durch KLIK green werden Klimaschutz und Energieeffizienz als Managementaufgabe in den Häusern verankert. Klinikbeschäftigte implementieren selbst konkrete Maßnahmen in ihrem Arbeitsbereich und stoßen als Klimamanager*innen Veränderungen in ihrer Klinik an. Dadurch werden mit KLIK green insgesamt 100.000 Tonnen CO2 –Äquivalente innerhalb von drei Jahren vermieden.

Wenn Sie am Projekt teilnehmen, geht es dennoch nicht in erster Linie um Reduzierung. Klimamanagement bedeutet keinen Verzicht zu akzeptieren, sondern einen Gewinn zu erzielen – zugunsten von Budget, Qualität, Zeit und Image. Der innovative Ansatz des Projekts begeistert mich: KLIK green weckt Motivation anstatt zu kritisieren. Durch gezielte Qualifizierung zu Klimamanager*innen wappnet das Projekt engagiertes Personal für den anspruchsvollen Krankenhausalltag in 250 deutschen Kliniken. Es freut mich daher sehr, dass KLIK green seit Mai 2019 eine Finanzierung vom Bundesumweltministerium erhält und das abgeschlossene Projekt KLIK – Klimamanager für Kliniken erfolgreich fortsetzt.

Ist Ihnen bewusst, dass die Klimakrise den ganzen medizinischen Fortschritt der letzten Jahrzehnte gefährdet? Kinder, die heute das Licht der Welt erblicken, haben eine hohe Chance, 100 Jahre alt zu werden. Aber in was für einer Welt? Die Klimakrise bringt traurige Widersprüche ans Licht, denen ich trotzdem versuche, humorvoll zu begegnen. Denn Ökomoralisten machen schlechte Laune, auch wenn sie Recht haben. Damit wir die Mitte der Gesellschaft erreichen und unser Verhalten ändern, muss es Freude machen. Und nicht der Aufwand, sondern der Zugewinn im Mittelpunkt stehen. Die bisherige Erfahrung zeigt, dass sich der Mehraufwand in Grenzen hält – und am Ende auszahlt. Im Vorgängerprojekt KLIK gelang es 50 Kliniken, innerhalb von drei Jahren insgesamt 34.500 Tonnen CO2 und neun Millionen Euro Betriebskosten einzusparen.

Ich bitte Sie daher, das Angebot der Projektpartner BUND Berlin, Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen und Universitätsklinikum Jena zu nutzen. Wenn der Gesundheitssektor zeigt, dass er seine Verantwortung wahrnimmt und einen sichtbaren Beitrag zum Klimaschutz in Ihrer Region leistet, wird dieses Zeichen andere inspirieren, ebenfalls tätig zu werden. Es ist ein dickes Brett, aber gemeinsam können wir es schaffen. Vor 50 Jahren sind Menschen zum Mond geflogen, weil sie einen klaren Willen dazu gefasst hatten. Und wenn wir heute alle mit anpacken, könnte es uns gelingen, dass wir auf der Erde bleiben können. Denn eigentlich ist es doch hier am schönsten.

Den Kooperationspartnern und Kliniken wünsche ich viel Erfolg bei der Umsetzung von KLIK green.

Herzliche und klimafreundliche Grüße

Dr. Eckart von Hirschhausen

 

Zu unserer Kick-off-Veranstaltung am 17. Oktober 2019 in Berlin, hat uns unser Schirmherr Dr. Eckart von Hirschhausen auch einen Videogruß zukommen lassen und somit die angehenden Klimamanager*innen zu mehr Klimaschutz im Krankenhaus motiviert.

Klicken Sie auf das Bild um sich das Video anzusehen! Viel Spaß!

Videogruß von unserem Schirmherrn Dr. Eckart von Hirschhausen