Angewandter Klima- und Gesundheitsschutz im Projekt KLIK green

Einführung

Der globale Klimawandel besitzt inzwischen in jeder Nation spürbar einen eigenen Charakter und steigert gesundheitliche Risiken sogar regionalspezifisch. Auch in Deutschland gehen die Folgen der Erderwärmung weit über allgemeine Hitzewellen hinaus und verlangen nach konkreten, differenzierten Anpassungsstrategien.

Die Gesundheitsbranche verursacht jährlich 5,2 Prozent der Gesamtemissionen Deutschlands und trägt erheblich zum „Aufheizen“ des Planeten bei. Klinken sind zwar nicht maßgeblich dafür verantwortlich, können und sollten aber ihre Rolle als Multiplikatoren wahrnehmen. Schließlich kämpfen sie selbst mit den Resultaten: Klinikbeschäftigte versorgen mehr Patienten unter zusätzlich erschwerten Arbeitsbedingungen mit weniger Personal. Klimaschutz bedeutet für Kliniken auch, ihre eigene Situation proaktiv zu verbessern und nicht nur auf „gegebene“ Umstände zu reagieren. Als Mitverantwortliche und Leittragende des Klimawandels besitzen die Einrichtungen im Gesundheitssektor erhebliches Potenzial, den Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung zu unterstützen. Zudem regen sie die Gesellschaft zu einem gesunden und nachhaltigen Lebens- sowie Wirtschaftsstil an, wenn sie mit gutem Beispiel vorangehen.

Klima- und Gesundheitspolitik weisen zahlreiche Synergien auf. Die aktive Förderung von Fahrrad-transport, die verstärkte Begrünung von Städten oder die vehemente Reduzierung von Fleischkonsum tragen sowohl zum Klimaschutz und als auch zum Gesundheitsschutz bei. Viele Krankheiten resultieren letztlich aus ungesundem Essen, mangelnder Bewegung, verschmutzter Luft, verunreinigtem Trinkwasser und Stress. Klimaschutz bedeutet Gesundheitsschutz. Diese Gleichung geht aber nur auf, wenn alle mit anpacken und die natürlichen Grundlagen für ein gesundes Leben schaffen.

Bedingungen

Das Klima beeinflusst die menschliche Gesundheit nicht unmittelbar, sondern mittels Wetter und Witterung, das heißt in erster Linie durch erhöhte thermische Belastung und UV-Strahlung. Indirekt fördert ein Temperaturanstieg zudem eine verlängerte Pollensaison, erhöht Infektionsrisiken und akkumuliert Luftschadstoffe. Experten rechnen bis 2050 mit einer Vervierfachung von Hitzewellen und einer Zunahme von UV-Strahlung um fünf bis zehn Prozent. In Deutschland könnte diese Steigerung bis zum Ende des Jahrhunderts 8.500 weitere frühzeitige hitzebedingte Todesfälle auslösen.

Wesentliche Teile der Bevölkerung werden anfälliger für verschiedene Lungen-, Herzkreislauf-, Haut- und Augenerkrankungen. Asthma, Herzinsuffizienz, Hautkrebs und der Graue Star treten dann beispielsweise häufiger auf. Bewohner*innen von Städten bekommen den Temperaturanstieg besonders zu spüren, denn dort bilden sich durch die hohe Bebauungsdichte Wärmeinseln. Zudem gehören alte und kranke Menschen zu den am stärksten betroffenen Gruppen. Die gleichzeitig stattfindenden Prozesse der Urbanisierung und Überalterung potenzieren den gesundheitlichen Effekt durch den Klimawandel. Dementsprechend ergeben sich für die Gesundheitseinrichtungen gesonderte Handlungsempfehlungen. 

Aktivitäten

Mögliche Prävention ‑ und Anpassungsmaßnahmen betreffen ein effektives und systematisch umgesetztes Hitzewarnsystem, Verhaltensempfehlungen sowie klimafreundliche Architektur und Stadtplanung. Entscheidungsträger verringern den CO2-Fußabdruck des Gesundheitssektors, wenn sie spezifische Klimaschutzpläne zur Eindämmung des Klimawandels entwickeln und realisieren. Da der Klimawandel regionalspezifisch wirkt, bedarf es differenzierter Maßnahmen in den Gesundheitseinrichtungen der Bundesländer. Die Regionen nahe der Küstengewässer Nordsee und Ostsee müssen sich beispielsweise auf vermehrte Vibrioneninfektionen und Cyanobakterien einstellen, während die wärmeliebende, invasive und allergene Pflanze Ambrosia eher im Süden Deutschlands die Gesundheit schädigt.

Im Jahr 1993 prägte der Allgemeinmediziner Per Fugelli den Begriff „Planetary Health“. Dahinter steckt ein Gesundheitskonzept, das die Auswirkungen menschlichen Handelns auf die Umwelt als interdisziplinären Ansatz auch auf Gesundheitssysteme anwendet. Das Projekt KLIK green, das der BUND Berlin, die Krankenhausgesellschaft NRW und das Universitätsklinikum Jena mit Fördermitteln des Bundesumweltministeriums durchführen, trägt mit dem Schwerpunkt Qualifizierung von Klinikbeschäftigten dazu bei, dass Planetary Health in die Weiterbildung einfließt. Damit sind die Projektergebnisse perspektivisch auch als Thema für die Ausbildung von Gesundheitsberufen zu verstehen. KLIK green beweist, dass Klimaschutz in der Praxis funktioniert und konkrete Mittel gegen den als abstrakt empfundenen Klimawandel existieren. Im Projekt stellen sich Krankenhäuser und Reha-Kliniken als lokale Akteure einer globalen Herausforderung. Damit unterstreichen sie die Formel: Klimaschutz = Gesundheitsschutz.  

Quellen:

Literatur

Robert-Koch-Institut (RKI)
Umweltbundesamt (UBA)
Lancet Countdown 2019: Policy Brief für Deutschland
Klimawandel in Deutschland - Entwicklung, Folgen Risiken und Perspektiven (S. 137-146)

Vorträge

Dr. Eckart von Hirschhausen
Prof. Dr. Dr. Sabine Gabrysch
The Lancet
 

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